Baukindergeld 2018: ingesamt 12.000 Euro je Kind.

Baukindergeld 2018: Das müssen Käufer und Bauherren wissen

Die Große Koalition in Berlin wird erneut den Erwerb selbst genutzten Wohneigentums fördern. Was vor Jahren noch „Eigenheimzulage“ genannt wurde, heißt jetzt „Baukindergeld“. Profitieren sollen Normalverdiener, somit Familien mit mittleren Einkommen. Alleinstehende und Kinderlose bekommen nichts. Die zwischenzeitliche Begrenzung der Wohnfläche ist endgültig vom Tisch. Zum Ausgleich dafür ist die Förderung nunmehr zeitlich begrenzt. Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um das neue Baukindergeld 2018.

Inhalt

Trotz Mietpreisbremse steigen insbesondere in den Großstädten und Ballungsräumen die Mieten scheinbar ungebremst. Familien mit durchschnittlichen Einkommen und Kindern können sich dieses Mietniveau oft kaum noch leisten. Alternativen zum sündhaft teuren und immer seltener bezahlbaren Wohnen in der Stadt: Raus auf´s Land und dort eine Mietwohnung suchen. Oder aber der Bau oder Kauf eines Hauses oder einer Wohnung. Denn dank der nach wie vor niedrigen Hypothekenzinsen (Stand: Ende Juni 2018) können Familien nicht selten mit der eingesparten Miete ihr Wohneigentum finanzieren.

Fast im Einklang mit Mieten sind in den vergangenen Jahren auch die Immobilienpreise, ob nun beim Neubau oder beim Kauf einer Immobilie aus zweiter Hand, gestiegen. Zudem werden beim Kauf oder Bau einer selbst genutzten Immobilie vergleichsweise hohe Erwerbsnebenkosten fällig. In der Spitze einmalig mehr als 10 Prozent des Kaufpreises bzw. der Baukosten. Ob das neue Baukindergeld 2018 tatsächlich den Erwerb von Wohneigentum erleichtert, wird sich noch zeigen. Letztlich ein Rechenexempel für jeden Käufer oder Bauherrn. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um das neue Baukindergeld 2018.

Wie viel Baukindergeld bekommen Familien mit Kindern?

Das Baukindergeld beträgt 1.200 Euro jährlich pro Kind. Das Baukindergeld wird zehn Jahre lang gezahlt, so dass die Eltern je Kind insgesamt 12.000 Euro Baukindergeld erhalten. Familien mit mehreren Kindern bekommen entsprechend mehr Geld. Bei zwei Kindern insgesamt 24.000 Euro, bei drei Kindern alles in allem 36.000 Euro Baukindergeld.

Welche Einkommensgrenzen gelten beim Baukindergeld 2018?

Die Regierungskoalition in Berlin will in der mit Kindern fördern. Was immer „Durchschnittsverdienst“ auch heißen mag. Deshalb hat der Gesetzgeber bestimmte Einkommensgrenzen bei der Gewährung von Baukindergeld gezogen. Wer zu viel verdient, erhält deshalb keinen Cent.

So darf das „zu versteuernde Einkommen“ (=steuerpflichtige Einkommen) einer dreiköpfigen Familie Eltern (plus 1 Kind) höchstens 90.000 Euro im Jahr betragen. 75.000 Euro steuerpflichtiges Einkommen der Eltern zuzüglich 15.000 Euro Freibetrag für das Kind. Entsprechend höher darf das zu versteuernde Einkommen bei einer vierköpfigen oder fünfköpfigen Familie sein, weil eben jedem Kind ein Freibetrag von 15.000 Euro zusteht.

Was genau wird durch das neue Baukindergeld gefördert?

Durch das neue Baukindergeld 2018 gefördert wird der Ersterwerb einer selbst genutzten Immobilie. Das kann ein Haus und auch eine Wohnung sein. Übrigens: Die Förderung ist unabhängig vom Alter der erworbenen Immobilie. Es kann also ein neues Objekt, aber auch eine schon etliche Jahre alte Wohnung oder altes Haus sein.

Ab wann wird das neue Baukindergeld 2018 gezahlt?

Das Baukindergeld wird rückwirkend zum 1. Januar 2018 gezahlt. Das bedeutet: Wer nach dem 31.12.2017 seine Baugenehmigung erhalten oder den notariellen Kaufvertrag unterschrieben hat, dürfte aller Voraussicht nach Baukindergeld erhalten. Wichtig: Noch kurz vor der Entscheidung im Haushaltsausschuß des Deutschen Bundestags war geplant, den Anspruch auf Baukindergeld an die Wohnfläche zu koppeln. Danach sollte nur gefördert werden, der nicht zu groß baut oder kauft. Die Rede war von maximal 120 Quadratmetern Wohnfläche für eine vierköpfige Familie (Elter und zwei Kinder) plus weitere 10 Quadratmeter Wohnfläche je weiterem Kind. Die Wohnflächungbegrenzung gibt es nicht.

Welche Stichtagsregelung beim Baukindergeld gilt für Bauvorhaben, die nur anzeigepflichtig sind?

Nicht für jedes Bauvorhaben brauchen Bauherren eine Baugenehmigung. Es gibt Bauvorhaben, die nach dem jeweiligen Landesrecht nur „anzeigepflichtig“ sind. Auch diese sind förderfähig. Voraussetzung ist, dass die zuständige Gemeinde entsprecfhend den Vorgaben der jeweiligen Landesbauordnung (LBO) durch eine Bauanzeige über das Bauvorhaben informiert wurde und Baubeginn frühestens ab 1. Januar 2018 war bzw. ist.

Laut Bundesinnenministerium dürfen solche Bauvorhaben in den meisten Bundesländern 1 Monat nach der Bauanzeige begonnen werden. Somit wird wohl folgende Interpretation nicht falsch sein: Erfolgt(e) die Bauanzeige eines nicht baugenehmigungspflichtigen Bauvorhabens nicht früher als 1. Dezember 2017, besteht Anspruch auf Baukindergeld, falls auch die weiteren Voraussetzungen (Einkommensgrenze, Kinder) erfüllt sind.

Wie lautet die zeitliche Begrenzung bei neuen Baukindergeld 2018?

Das neue Baukindergeld 2018 soll es nur drei Jahre lang geben. Dies bedeutet: Wurde bzw. wird nach dem 31.Dezember 2017 und vor dem 1. Januar 2021 der notarielle Kaufvertrag abgeschlossen oder die Baugenehmigung erteilt, sind die zeitlichen Voraussetzungen für den Anspruch auf Baukindergeld erfüllt. Sofern es sich um ein Bauvorhaben handelt, das keiner Genehmigung bedarf, ist das Datum des Baubeginns entscheidend. Der Baubeginn muss dann ebenfalls entsprechend nach dem 31. Dezember 2017 und vor dem 1. Januar 2021 sein.

Welche Besonderheit gilt beim „zu versteuernden Einkommen“, um Baukindergeld zu bekommen?

Nach heutigem Stand (Ende Juni 2018) gilt Folgendes: Entscheidend, ob Baukindergeld ja oder nein, ist das durchschnittliche „zu versteuernde Einkommen“ der beiden vorherigen Kalenderjahre. Dies bedeutet: Wurde der Kaufvertrag im Jahr 2018 abgeschlossen oder der Bauantrag im Jahr 2018 genehmigt, wird das „zu versteuernde Einkommen“ der beiden Elternteile in den Jahren 2016 und 2017 addiert und durch 2 geteilt. Entsprechendes gilt, falls der Kaufvertrag danach, aber vor dem 1. Januar 2021 abgeschlossen bzw. der Bauantrag genehmigt wird.

Weshalb soll beim „zu versteuernden Einkommen“ ein Zwei-Jahres-Durchschnitt gelten?

Über die Absicht, bei der Einkommensgrenze jenen Durchschnittswert des „zu versteuernden Einkommens“ aus zwei Kalenderjahren anzusetzen, lässt sich nur spekulieren. Vermutlich will der Gesetzgeber dadurch Manipulationen vermeiden. Im Klartext: verhindern, dass Steuerzahler sich ärmer rechnen, als sie tatsächlich sind.

Eine solche (vermeintliche) Manipulation ist viel einfacher, wenn das „zu versteuernde Einkommen“ nur für ein einziges statt für zwei Kalenderjahre angesetzt wird. Dieses Armrechnen ist etwa möglich, wenn ein Steuerzahler nicht nur Einkünfte aus nicht selbstständiger Arbeit, sondern vielleicht auch aus Vermietung und Verpachtung oder aus einem Gewerbebetrieb hat. Durch den Kauf einer Denkmalschutzimmobilie mit hoher Sonderabschreibung beispielsweise kann das „zu versteuernde Einkommen“ deutlich gedrückt werden. Ebenfalls durch einmalige Verluste bei den Einkünften aus Gewerbebetrieb.

Allerdings sind beim „zu versteuernden Einkommen“, sofern dieses nur in einem einzigen Kalenderjahr zugrunde gelegt wird bei der Berechnung der Einkommensgrenze zum Baukindergeld, auch Ausreißer zulasten eines Steuerzahlers möglich. Etwa wenn jemand mit einer hohen Abfindung entlassen wurde oder aber wegen guter Leistungen einen einmaligen Bonus erhalten hat. Beides sind in der Regel außergewöhnliche Einkünfte, die sich nach menschlichem Ermessen kaum wiederholen dürften. Sie können aber dazu führen, dass die Einkommensgrenze zum Baukindergeld ausnahmsweise überschritten wird, sofern nur das „zu versteuernde Einkommen“ in einem einzigen Kalenderjahr zugrundegelegt wird.

Wo können Bauherren oder Käufer das neue Baukindergeld 2018 beantragen?

Der genaue Ablauf steht derzeit (Ende Juni 2018) noch nicht fest. Beantragt werden kann das Baukindergeld bei der staatlichen Förderbank KfW. Voraussichtlich auch online unter www.kfw.de. Näheres erfahren Förderberechtigte auf der Internetseite der Bank. Kostenfreie Servicenummer der KfW: 0800 539 9006. Anträge auf Zahlung von Baukindergeld dürften ab der zweiten Augusthälfte 2018 möglich sein.

Darf der Antrag auf Baukindergeld bereits während der Bauphase gestellt werden?

Nein, der Antrag auf Zahlung von Baukindergeld darf bei der KfW erst nach Einzug, bei Neubauten also nach der Fertigstellung, gestellt werden. Dies wird mit der Notwendigkeit begründet, die Selbstnutzung und die anderen Fördervoraussetzungen abschließend zu beurteilen. Diese Prüfung erfolgt auf Grundlage einiger Unterlagen, die der Antragsteller einreichen muss.

Dazu zählen u. a. eine Meldebescheinigung, ein Grundbuchauszug sowie die Einkommensteuerbescheide der zwei Jahre vor dem Einzug. Bekanntlich hat der Gesetzgeber für den Bezug von Baukindergeld eine Einkommensgrenze gezogen. Ausschlaggebend sind die zu versteuernden Einkommen der beiden Vorjahre. Diese werden addiert und daraufhin durch zwei geteilt.

Wie und wann wird das Baukindergeld ausgezahlt?

Falls die KfW, bei der die Anträge auf Baukindergeld eingereicht werden müssen, eine Anspruchsberechtigung feststellt, wird das Baukindergeld in zehn Jahresraten ausgezahlt. Also nicht in einem einzigen Betrag. Eine vierköpfige Familie also (Eltern und zwei Kinder) bekommt somit einmal im Jahr 2.400 Euro Baukindergeld überwiesen.

Wichtig: Häufig wurde die Frage gestellt, ob auch eine Schwangerschaft zum Anspruch auf Baukindergeld berechtigt. Laut Bundesinnenministerium maßgeblich ist die Kinderzahl bei Antragstellung, also nach Einzug in die selbst genutzte Immobilie. Inwieweit eine nach Fertigstellung und Einzug und somit bei Antragstellung auf Baukindergeld bestehende Schwangerschaft berücksichtigt wird, ist derzeit nicht klar. Das muss gegebenenfalls vor Gericht geklärt werden.

Welche Höchstaltersgrenze bei den Kindern gilt beim Baukindergeld 2018?

Der Nachwuchs muss folgende Voraussetzungen erfüllen, damit die Eltern Anspruch auf Baukindergeld haben: Sohn oder Tochter darf noch keine 18 Jahre alt sein und muss gemeinsam mit den Eltern in der zu bauenden oder zu kaufenden Immobilie leben. Außerdem müssen die Eltern Anspruch auf Kindergeld oder einen steuerlichen Kinderfreibetrag haben. Einen solchen haben aber auch Eltern volljähriger Kinder, die sich noch in der Ausbildung befinden, indem sie zum Beispiel studieren. Bislang sind keine Verlässlichen Informationen darüber zu finden, ob  bei volljährigen Kindern in der Ausbildung ebenfalls noch Anspruch auf Baukindergeld besteht, sofern der Nachwuchs daheim bei den Eltern lebt.

Welche zusätzliche Förderung plant der Freistaat Bayern?

In Bayern soll (Stand: Ende Juli 2018) das Baukindergeld je Kind und Jahr um 300 Euro aufgestockt werden. Insgesamt also um 3.000 Euro während des zehnjährigen Förderzeitraums. Überdies ist in Bayern eine Grundförderung in Höhe von 10.000 Euro für den Erwerb selbst genutzten Wohneigentums vorgesehen. Und zwar unabhängig vom Familienstand und der Kinderzahl. Dies bedeutet: Diese Grundförderung sollen auch Alleinstehende und Paare ohne Kinder erhalten.

Weitere Informationen zur Finanzierung einer Wohnung oder eines Eigenheims

Finanzierung

Tilgung

Weitere Möglichkeiten zur Finanzierung

 

Anmerkung der Redaktion: Der Autor dieses Textes ist kein Steuerberater und auch kein Rechtsanwalt, sondern Wirtschafts- und Finanzjournalist. Finanzjournalisten ist rechts- und steuerberatende Tätigkeit per Gesetz untersagt. Der Text dient lediglich der Information von Steuerzahlern und (angehenden) Bauherren oder Immobilienkäufern. Eine Beratung oder gar konkrete Empfehlungen enthält der Text nicht. Diese sind auch nicht beabsichtigt. Obwohl die für den Text verwendeten Quellen als zuverlässig gelten, wird keine Garantie für die Richtigkeit übernommen. Die Ausführungen und Erklärung können und sollen das Gespräch mit einem Steuerberater und/oder Rechtsanwalt nicht ersetzen.