1,5 bis 6 % der deutschen Bevölkerung leiden unter dem Messie-Syndrom (Stand 2025). Leidtragende dieser Erkrankung sind nicht nur die Messis selbst, sondern auch deren Vermieter. Dieser Artikel klärt auf, was ein Vermieter tun kann, wenn er einen Messi als Mieter hat.
Was bedeutet das Messie-Syndrom?
Personen, bei denen ein Messie-Syndrom diagnostiziert wird, fällt es dauerhaft schwer, ihre Wohnung auszumisten. Sie hängen oft an wertlosen Dingen und können sich nicht von ihnen trennen. Mit den Jahren sammeln sich unzählige Gegenstände an. Sind der Keller und der Dachboden voll, weichen Messis auf die Wohnung aus oder sie beginnen mit dem Horten direkt in den Wohnräumen. Die Folge sind überfüllte Regale und Schränke, gefolgt von verstopften Gängen, die keine Möglichkeit bieten, die Räume sauber zu halten. Besuche von Freunden oder der Familie werden aus Scham unmöglich. Die erkrankten Personen isolieren sich vollends und vereinsamen.
Das Messie-Syndrom hat drei Ausprägungen: das pathologische Horten, bei dem die Person die Gegenstände ordentlich sortiert, das Verwahrlosungssyndrom sowie das Vermüllungssyndrom. Beim Verwahrlosungssyndrom vernachlässigt der Messie zusätzlich zur Wohnung auch sich selbst. Beim Vermüllungssyndrom tritt die Verwahrlosung der Person nicht auf. Nach außen hin ist der Messie normal und ordentlich gekleidet.
Ursachen für die Erkrankung liegen oft in einschneidenden Erlebnissen oder in anderen psychischen Erkrankungen wie Zwangsstörungen, Depressionen oder Demenz. Weitere mögliche Vorerkrankungen sind Schizophrenie und Psychosen. Zudem können Ängste und Wahnvorstellungen die Krankheit begleiten. Das Horten von Gegenständen gibt den Betroffenen Sicherheit. Psychische Probleme wiegen nicht mehr so schwer.
Welche Probleme entstehen für Vermieter?
Verwahrlost die Wohnung zunehmend, tritt früher oder später Ungeziefer auf, das bei zu später Entdeckung zu Schäden an der Bausubstanz führen kann. Dadurch entstehen dem Vermieter beträchtliche Kosten.
Was können Vermieter konkret tun?
Besteht der Verdacht, dass sein Mieter ein Messie ist, sollte er eine Wohnungsbegehung ankündigen und diese durchführen. Anschließend kann das Gespräch stattfinden. Gemeinsam können Sie beraten, mit welchen Maßnahmen die Räume wieder nutzbar werden. Zudem sollte ein Vermieter den Messie darauf hinweisen, dass es für ihn Anlaufstellen gibt, die ihm bei seinem Problem helfen.
Eine Anlaufstelle für Messis ist das bundesweite Messie-Hilfe-Telefon vom H-Team e. V. für Bürger in Not mit der Telefonnummer 089/55064890. Zudem helfen das Caritas-Haushaltsorganisationstraining, Coaching-Angebote für Messies sowie eine klassische Psychotherapie den Betroffenen weiter. Überdies können sich Messis an einen Pflegedienst wenden, der sich um die Person selbst sowie um deren häusliches Umfeld kümmert. Vermieter finden zur Entrümpelung in Düsseldorf Hilfe bei einer dort ansässigen Entrümpelungsfirma. Diese beschränkt sich jedoch nur auf die Entsorgung der Dinge, die der Messie zulässt. Das psychische Problem ist damit nicht beseitigt. Kam es bereits zur Kündigung des Mietvertrages, beauftragt der Vermieter ein Entrümpelungsunternehmen oder räumt die Wohnung selbst.
Wann ist eine Kündigung möglich?
Eine fristlose Kündigung der Wohnung durch den Vermieter kann möglich sein, wenn der Mieter keine Einsicht zeigt und seine Wohnung weiter verwahrlosen lässt. Zuvor sollte sich der Vermieter einen Rechtsbeistand suchen, der klärt, ob eine außerordentliche Kündigung Aussicht auf Erfolg hat. Ein möglicher Einwand ist, dass jeder Mieter das Recht hat, das Leben in seiner Wohnung so zu gestalten, wie er es möchte.
Das Recht des Mieters endet jedoch, wenn sich andere Hausbewohner durch Gerüche gestört fühlen oder bereits Schäden an der Bausubstanz sichtbar sind. In diesen Fällen verstößt der Mieter durch Mietsachengefährdung gegen den Mietvertrag.
Wer trägt die Kosten für Schäden?
Die Kosten für die Schäden, die durch das Messie-Dasein des Mieters entstehen, trägt der Mieter als Verursacher. Oft ist es diesem jedoch nicht möglich, die Rechnungen zu begleichen. In diesem Fall bleibt der Vermieter auf den Kosten sitzen. Vor diesen kann er sich jedoch mit einer Vermieter-Rechtsschutzversicherung und anderen Versicherungen schützen. Diese sind jedoch mit hohen Kosten verbunden. Am günstigsten kommt der Vermieter davon, wenn er die Entrümpelung selbst durchführt und die Schäden beseitigt.
Wie lässt sich einer Vermüllung vorbeugen?
Ein Messie kann mit Unterstützung einer weiteren Person einer Vermüllung der Wohnung vorbeugen, indem die andere Person und der Messie vereinbaren, dass er täglich zehn bis 15 Minuten aufräumt, seinen Müll sofort getrennt entsorgt und die Post direkt sortiert.
Zudem kann die helfende Person ihn aktiv durch ihre Arbeitskraft unterstützen. Außerdem helfen Vereinbarungen, die Laufwege zum Bett, in die Küche und zum Tisch immer freizuhalten.
Das Ausmaß der Vermüllung lässt sich stoppen, indem für jeden neu gekauften Gegenstand ein alter weichen muss. Zusätzlich zu diesen Hilfen sollten Helfer mit dem Messie wöchentliche Kontrolltermine vereinbaren sowie ihm verdeutlichen, dass er professionelle Hilfe benötigt.
Häufige Fragen (FAQ)
Welche Möglichkeiten bleiben dem Vermieter, wenn der Messie nicht gekündigt werden kann?
Kann der Messie aufgrund seiner Erkrankung nicht gekündigt werden, hat der Vermieter noch eine Möglichkeit, sein Eigentum zu schützen. Dazu kann er dem Betreuungsgericht darlegen, dass sein Mieter nicht in der Lage ist, sich um seine Angelegenheiten zu kümmern. Stimmt das Betreuungsgericht dem Vermieter zu, erhält der Messie einen Betreuer. Die Chancen für einen Erfolg der Betreuungsklage sind jedoch gering.
Bin ich ein Messie, wenn ich meinen Computer vollmülle?
Die Rede ist umgangssprachlich zwar von einem Daten-Messie, jedoch lautet der Fachbegriff „Digital Hoarding“. Möglicherweise haben Sie dadurch im Leben keine Einschränkungen. Wenn Sie doch den Überblick verlieren, sprechen Experten von mangelnder Organisation oder Bequemlichkeit.
Können Angehörige und Freunde einem Betroffenen helfen?
Ja, Angehörige können den Messie behutsam auf sein Problem ansprechen und ihm Hilfe anbieten. Jedoch sollten sie nicht ohne Absprache Dinge wegwerfen, denn dann gerät der Messie in Panik. Am besten unterstützen Angehörige ihn, wenn sie professionelle therapeutische Hilfe organisieren.
