Zahlt die Hausratversicherung, wenn der Weihnachtsbaum brennt?m

Zahlt die Hausratversicherung, wenn der Weihnachtsbaum brennt?

Leider ist Weihnachten bisweilen auch ein lichterloh brennender Tannenbaum, der enormen Schaden in der Wohnung anrichtet. Nicht immer zahlt die Hausratversicherung. Dies zeigt der Hausratversicherung Vergleich.
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Ob eine Hausratversicherung, die Schäden nach einem Wohnungsbrand, die durch Funkenflug von Wunderkerzen oder durch einen entflammten Weihnachtsbaum verursacht werden, übernimmt, lässt sich nicht so einfach sagen. Entscheidend ist, ob die Hausratversicherung sogenannte grobe Fahrlässigkeit sieht oder nicht. Viele Versicherer schließen die Schadenregulierung bei grober Fahrlässigkeit aus. Manche Hausratversicherer zahlen trotzdem. Details dazu weiter unten.

Was versteht man unter grober Fahrlässigkeit?

Allgemein unterschieden werden zwei Fahrlässigkeitsstufen. Eine einfache Fahrlässigkeit liegt nach § 276 Absatz 2 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) vor, sobald die „erforderliche Sorgfalt außer Acht gelassen wird“. Im Gegensatz dazu ist grobe Fahrlässigkeit gesetzlich nicht definiert. Grobe Fahrlässigkeit wird angenommen, falls die erforderliche Sorgfalt in ungewöhnlich hohem Maß verletzt wurde oder naheliegende Überlegungen in punkto Risikobegrenzung nicht angestellt wurden.

Genau dies, also das Nichtvorhandensein einer gesetzlichen Definition des Begriffs grobe Fahrlässigkeit ist das Problem in zahlreichen Versicherungsfällen. Etwa auch beim Brand eines Weihnachtsbaums oder falls Wunderkerzen Funken schlagen und daraufhin die Wohnung in Flammen steht. Der Hausratversicherung Vergleich zeigt, dass sich Hausratversicherer nicht selten mit dem Argument einer groben Fahrlässigkeit die Schadenregulierung verweigern. In solchen Fällen bleibt dem Versicherungsnehmer und Geschädigten meist nichts anderes als eine Klage vor Gericht gegen die Hausratversicherung. Gerichte müssen dann entscheiden, ob im Einzelfall eine grobe Fahrlässigkeit vorgelegen hat, die die Schadenregulierung durch die Hausratversicherung ausschließt. Übrigens: Auch bei der Wohngebäudeversicherung wird die Schadenregulierung mit dem Hinweis auf grobe Fahrlässigkeit oft abgelehnt.

Wunderkerze entzündet Weihnachtsbaum, und Wohnhaus brennt ab

Am zweiten Weihnachtstag entzündeten die Eltern eine Wunderkerze, die der fünfjährige Sohn in der Hand hielt. Weil das Kind unmittelbar neben dem Weihnachtsbaum stand, sprangen die Funken der Wunderkerze über und setzten den Baum in Brand. Danach brannte das komplette Wohnhaus ab. Die Wohngebäudeversicherung warf den Eltern grobe Fahrlässigkeit vor und verweigerte die Schadenübernahme. Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main widersprach in seiner Entscheidung unter dem Aktenzeichen 3 U 104/05.

In ihrer Urteilsbegründung skizzierten die Frankfurter OLG-Richter zunächst ihr eigenes Verständnis von grober Fahrlässigkeit. Diese liegt demnach vor, sobald die erforderliche Sorgfalt in besonders schwerem Maß verletzt wird und ganz einfache sowie naheliegende Überlegungen nicht angestellt bzw. beachtet werden. Eine solche grobe Fahrlässigkeit konnten allerdings die Richter im vorliegenden Fall nicht erkennen.

Dies etwa signalisierte aus Sicht des Gerichts ein auf der Rückseite der Verpackung gedruckte Hinweis, wonach die Wunderkerzen wegen ihrer Länge nicht in den Weihnachtsbaum gehängt werden durften. Im Umkehrschluss, so die OLG-Richter, sei es offenbar möglich, normal lange Wunderkerzen in den Weihnachtsbaum zu hängen und dort auch anzuzünden. Überdies war laut Verpackung die Abgabe der Wunderkerzen an Personen unter 18 Jahren erlaubt. Dies werteten die Frankfurter OLG-Richter als Hinweis auf fehlende Gefährlichkeit der Wunderkerzen. In der Folge habe also niemand damit rechnen können, dass nur eine einzige angezündete Wunderkerze umgehend explosionsartig den Weihnachtsbaum in Brand setze.

Keine grobe Fahrlässigkeit: echte Kerzen am Weihnachtsbaum

Familien mit dem Sinn für´s Traditionelle und Wohlige bevorzugen echte Kerzen am Weihnachtsbaum. Brennende Kerzen können gefährlich sein, falls sie nicht richtig angebracht sind und der Weihnachtsbaum deshalb Feuer fängt. Dies bedeutet: Echte Kerzen am Weihnachtsbaum bergen zwangsläufig ein Brandrisiko. Stellt sich die Frage nach einem Brand: Ist allein die Verwendung echter Kerzen am Weihnachtsbaum grob fahrlässig, so dass die Hausratversicherung einen Brandschaden nicht übernimmt? Eine Orientierung gibt ein schon etwas älteres Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Schleswig-Holstein unter dem Aktenzeichen 3 U 22/97.

Der Fall: Rechtzeitig zu Heilig Abend war ein Weihnachtsbaum mit echten Kerzen geschmückt worden. Trotz aller Vorsicht konnte die Familie nicht verhindern, dass der Weihnachtsbaum Feuer fing und erheblichen Schaden in der Wohnung anrichtete. Die Hausratversicherung wollte nicht zahlen, weil sie der Familie grobe Fahrlässigkeit vorwarf. Dem widersprach das schleswig-holsteinische Oberlandesgericht.

Die OLG-Richter stellten fest, dass der Weihnachtsbaum nicht längere Zeit unbeaufsichtigt gewesen war, zudem an einem sicheren Ort stand. Beides werteten die Richter als Hinweis, dass keine grobe Fahrlässigkeit vorlag. Überdies betonte das OLG, dass echte Kerzen an Weihnachtsbäumen grundsätzlich brennen dürfen, und zwar ungeachtet des Brandrisikos. Wer nämlich die Vorsichtsregeln im Zusammenhang mit echten Kerzen an Weihnachtsbäumen beachte, der handele nicht grob fahrlässig.

Grobe Fahrlässigkeit: Wunderkerzen entzünden Weihnachtskrippe und Tannenbaum

Grobe Fahrlässigkeit ist gesetzlich nicht definiert. Deshalb müssen oft Gerichte entscheiden, sobald die Hausratversicherung oder Wohngebäudeversicherung nicht zahlen möchte, weil angeblich grobe Fahrlässigkeit vorliegt. Abhängig vom Einzelfall urteilen die Gerichte unterschiedlich. Dies zeigt eine Entscheidung des Landgerichts (LG) Offenburg unter dem Aktenzeichen 2 O 197/02. In diesem Fall nämlich attestierte das Gericht sehr wohl grobe Fahrlässigkeit.

Der Fall: Der Weihnachtsbaum stand in einem Metallständer auf dem Tisch. Am Weihnachtsbaum waren Wunderkerzen befestigt. Unter dem Baum befand sich eine mit Moos belegte Weihnachtskrippe. Die Mieterin hatte ihren damals 15 Monate alten Enkel zu Besuch und entzündete daraufhin die Wunderkerzen am Weihnachtsbaum, um dem Kind eine Freude zu bereiten. Durch Funkenflug entzündete sich das Moos an der Krippe. Panikartig verließ die Frau mit dem Enkelkind die Wohnung. Das Feuer breitete sich aus über das gesamte Wohnzimmer, das Löschwasser hinterließ in den übrigen Zimmern der Wohnung große Schäden. Die Hausratversicherung verweigerte die Schadenübernahme mit dem Argument, die Frau habe grob fahrlässig gehandelt.

Das Landgericht (LG) Offenburg gab dem Hausratversicherer Recht. Bereits die Verpackung habe auf die Gefährlichkeit der Wunderkerzen hingewiesen, argumentierte das LG Offenburg. Insbesondere dadurch, dass als mögliche Gefahrenquelle Funkensprünge genannt wurden. Deshalb hätte der Frau klar sein müssen, dass von Wunderkerzen in geschlossenen Räumen eine nicht unerhebliche Brandgefahr ausgehe. Überdies lastete das Offenburger Landgericht der Frau an, dass sie die Wunderkerzen weder im Freien noch über einer feuerfesten Unterlage entzündet hatte. Das bereits ältere Moos sei staubtrocken gewesen, was die Brandgefahr durch Funkenflug deutlich erhöht habe. Schließlich wertete das Gericht auch die Panikreaktion der Frau, die umgehend ihr Enkelkind und sich selbst in Sicherheit gebracht hatte, als unbesonnen. Sie hätte nämlich den zunächst kleinen Brand mit vergleichsweise wenig Aufwand löschen können, war das Gericht überzeugt.

Wann die Hausratversicherung trotz grober Fahrlässigkeit zahlt

Oft verweigern Hausratversicherung die Zahlung mit dem Argument, ein Schaden sei durch grobe Fahrlässigkeit zumindest mitverursacht worden. Das aber können Versicherungskunden relativ schnell und einfach verhindern. Indem sie sich nämlich für einen Tarif in der Hausratversicherung entscheiden, der auf den sogenannten Einwand der groben Fahrlässigkeit verzichtet. Dies bedeutet im Klartext: Sobald auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit verzichtet wird, zahlt die Hausratversicherung eben auch nach einem Schaden, der durch grobe Fahrlässigkeit (mit-)verursacht wird.

Vorsicht: Dies ist für den Versicherungsnehmer nicht ganz preiswert. Denn Versicherer kalkulieren die Kosten des Risikoschutzes, also die Höhe des Beitrages, eben nach der Größe des Risikos. Und sobald Schäden auch nach grober Fahrlässigkeit bezahlt werden, ist dies halt ein größeres Risiko für den Versicherer. Dies bedeutet also, dass der Versicherungsnehmer den Verzicht auf den Einwand grober Fahrlässigkeit durch teils deutlich höhere Versicherungsbeiträge bezahlen muss. Somit muss der Versicherungsnehmer selbst entscheiden, ob ihm der Verzicht auf den Einwand grober Fahrlässigkeit den höheren Versicherungsbeitrag wert ist.

Hausratversicherung: Altverträge prüfen in puncto Verzicht auf grobe Fahrlässigkeit

Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gab es Ende des Jahres 2017 etwas mehr als 26,3 Millionen Verträge in der Hausratversicherung. Wohl nur die wenigsten der bestehenden Verträge in der Hausratversicherung enthalten den Verzicht auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit. Wer also auf Nummer sicher gehen und eine Schadenregulierung auch bei grober Fahrlässigkeit möchte, sollte seinen Vertrag prüfen und möglicherweise einen Versicherungstarif mit Verzicht auf den Einwand grober Fahrlässigkeit wählen. Aber: Der Versicherungsnehmer sollte sich darüber im Klaren sein, dass ein solcher Tarif in der Hausratversicherung möglicherweise spürbar mehr Beitrag kostet. Wie immer bei Produkten und Dienstleistungen ist es deshalb sehr sinnvoll, das Preis-Leistungs-Verhältnis zu überprüfen und abzuwägen, ob höhere Kosten den erweiterten Risikoschutz tatsächlich wert sind.

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Anmerkung der Redaktion: Der Autor dieses Textes ist kein Steuerberater und auch kein Rechtsanwalt, sondern Wirtschafts- und Finanzjournalist. Finanzjournalisten ist rechts- und steuerberatende Tätigkeit per Gesetz untersagt. Der Text dient lediglich der Information von Steuerzahlern und (angehenden) Bauherren oder Immobilienkäufern. Eine Beratung oder gar konkrete Empfehlungen enthält der Text nicht. Diese sind auch nicht beabsichtigt. Obwohl die für den Text verwendeten Quellen als zuverlässig gelten, wird keine Garantie für die Richtigkeit übernommen. Die Ausführungen und Erklärung können und sollen das Gespräch mit einem Steuerberater und/oder Rechtsanwalt nicht ersetzen.

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