Kredit umschulden – Wie sinnvoll ist es?

Nicht selten ist die Umschuldung eines laufenden Kredits finanziell vorteilhaft. Foto: ©Zerbor /stock adobe

Nicht selten ist die Umschuldung eines laufenden Kredits finanziell vorteilhaft. Foto: ©Zerbor /stock adobe

Die Kreditzinsen kannten in der Zeit von 2005 bis 2022 nur eine Richtung – steil nach unten. Das hat sich ab dem Jahr 2022 stark gewandelt. Ursache dafür ist die deutliche Verschärfung der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank.

Aber auch der Rückgang der allgemeinen Kaufkraft bedingt durch die hohe Inflationsrate hat die Banken vorsichtiger werden lassen. Eine schwächere Bonität wird heute mehr als noch vor zwei oder drei Jahren mit höheren Zinssätzen „bestraft“.

Gleichwohl gibt es Situationen, in denen eine Umschuldung sinnvoll ist und Ihnen eine Menge Geld einsparen kann. Teilweise können Umschuldungen zu hohen Geldauszahlungen führen – etwa, wenn eine Restschuldversicherung im Spiel ist. Wir zeigen Ihnen im folgenden Artikel, wann eine Umschuldung für Sie eine gute Alternative sein kann und worauf Sie dabei unbedingt achten sollten.

Wann ist es sinnvoll, einen Kredit umzuschulden?

Wer heute einen neuen Kredit aufnehmen möchte, muss mit deutlich höheren Zinsen rechnen als im Jahr 2021 beispielsweise. Das betrifft Ratenkredite ebenso wie Baufinanzierungen. Da stellt sich schnell die Frage, wie viel Haus man sich wirklich leisten kann oder ob das neue Auto nicht doch etwas günstiger sein sollte.

Doch auch wenn die Zinsen in den letzten Jahren gestiegen sind, sollten Sie mit gewisser Regelmäßigkeit einen Vergleich durchführen, um zu prüfen, ob eine Umschuldung für Sie einen finanziellen Vorteil mit sich bringen würde. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn:

  • sich Ihr Einkommen erhöht hat,
  • sie bereits einen Teil des Kredits zurückgezahlt haben,
  • der Kredit ursprünglich mit einer Restschuldversicherung abgeschlossen wurde oder
  • die Restlaufzeit des Kredits noch mehr als 12 Monate beträgt und die Kreditsumme noch über 1.000 Euro liegt.

Günstigere Zinsen dank höherem Einkommen

Die Höhe der Zinsen, die Ihnen Ihre Bank für einen Kredit anbietet, ist von zahlreichen verschiedenen Faktoren abhängig. Einige dieser Faktoren haben direkt mit Ihnen und Ihren persönlichen Umständen zu tun. Das sind etwa:

  • der Familienstand
  • das monatliche Einkommen
  • ihre Kreditwürdigkeit

Wenn sich an einem dieser Faktoren etwas geändert hat, seit Sie den ursprünglichen Kredit aufgenommen haben, kann eine Umschuldung mit deutlich niedrigeren Zinsen verbunden sein. Eine Lohnerhöhung aufgrund einer Beförderung oder einer tariflichen Lohnsteigerung wirkt sich direkt auf Ihre Liquidität aus. Je höher Ihre monatlichen Einnahmen sind, desto niedriger ist in der Regel der angebotene Zinssatz.

Gleiches gilt für die Bonität. Ist Ihre Kreditwürdigkeit gut, wird Ihnen ein besserer Zinssatz angeboten als mit einer Kreditwürdigkeit, die einen Ausfall der Zahlungen für den Kredit möglich erscheinen lässt.

Wenn Sie also einen anderen Kredit abbezahlt haben oder Ihr Einkommen sich erhöht hat, sollten Sie auf jeden Fall Ihren aktuellen Kredit einmal neu berechnen. Die Chancen stehen gut, dass Ihnen ein niedrigerer Zinssatz angeboten wird und Sie damit eine geringere monatliche Rate tragen müssen.

Niedrigere Zinsen aufgrund einer geringeren Kreditsumme

Nicht nur der Zinssatz wirkt sich stark auf die Ratenhöhe Ihres Kredits aus, sondern auch die Kreditsumme selbst. Das lässt sich leicht berechnen. Selbst wenn Sie für zwei Kredite den gleichen Zinssatz angeboten bekommen, zahlen Sie für einen Kredit über 10.000 Euro bei gleicher Laufzeit eine niedrigere monatliche Rate als für einen Kredit über 15.000 Euro. Darüber hinaus bedeutet eine niedrigere Kreditsumme bei den meisten Kreditunternehmen auch einen geringeren Zinssatz.

Wenn Sie also von einem 15.000-Euro-Kredit bereits 5.000 Euro getilgt haben und nun die restlichen 10.000 Euro mit Ihrer Bank neu verhandeln, werden Sie wahrscheinlich einen niedrigeren Zinssatz angeboten bekommen und dieser wird dann von einer geringeren Kreditsumme berechnet.

Schaffen Sie liquide Mittel durch die Kündigung einer Restschuldversicherung

Oft werden Kredite zusammen mit einer Restschuldversicherung angeboten. Das bringt den Vorteil mit, dass im Versicherungsfall der Versicherer die weiteren Raten zahlt. Die meisten Absicherungen dieser Art sorgen dafür, dass im Todesfall keine weiteren Kosten mehr für Ihre Erben entstehen. Eine solche Versicherung kann aber auch abgeschlossen werden, um Sie in Phasen der Arbeitslosigkeit zu entlasten.

Das Problem bei diesen Absicherungen: Sie sind in der Regel teuer. Gezahlt wird die Versicherung direkt zu Beginn der Kreditlaufzeit in einer Summe. Das bedeutet, dass die Versicherungssumme auf Ihre Kreditsumme aufgeschlagen wird. Wenn Sie also eine Baufinanzierung über 200.000 Euro aufnehmen und die Restschuldversicherung 10.000 Euro kostet, beträgt Ihre Kreditsumme 210.000 Euro.

Lösen Sie nun den Kredit mit der Restschuldversicherung ab und vereinbaren Sie keine neue, wird Ihnen der Restbetrag der Restschuldversicherung – berechnet über die Restdauer des ursprünglichen Darlehensvertrages – direkt ausgezahlt.

Bei einer Immobilienfinanzierung ist eine Restschuldversicherung aufgrund der hohen Darlehenssummen oft noch sinnvoll – bei einem normalen Ratenkredit ist diese Absicherung einfach unverhältnismäßig teuer. Vor allem, wenn Sie bereits über eine klassische Lebensversicherung abgesichert sind.

Gut zu wissen – Vorsicht bei der Restlaufzeit

Wenn Ihr Kredit weniger als 1 Jahr Restlaufzeit hat oder weniger als 1.000 Euro Restsumme gezahlt werden müssen, gestaltet sich eine Umschuldung oft schwierig. Die meisten Kreditinstitute haben Mindestlaufzeiten und Mindestkreditsummen, die über 1 Jahr und über 1.000 Euro liegen.

Kann ich einen Kredit während der Laufzeit kündigen?

Bei Baufinanzierungen haben Sie die Möglichkeit, nach 10 Jahren Ihren aktuellen Kredit zu kündigen. Das geht auch dann, wenn Sie eigentlich eine Zinsbindung von 15 oder mehr Jahren vereinbart haben. In diesem Fall ist die Bank für den kompletten Zeitraum an die einmal getroffene Vereinbarung gebunden. Wenn sich die aktuellen Bauzinsen in eine positive Richtung entwickeln, können Sie sich allerdings nach günstigeren Alternativen umsehen.

Bei Ratenkrediten gibt es solche Regelungen nicht. Hier gibt es allerdings viele Anbieter, die eine komplette Rückzahlung des Kreditbetrages in einer Summe problemlos ermöglichen. Das muss dann allerdings in der Kreditvereinbarung so aufgeführt sein.

Grundsätzlich können Sie jeden Kreditvertrag kündigen. Teilweise sind im Vertrag Kündigungsfristen von bis zu einem Monat verankert.

Vorzeitige Rückzahlung eines Kredits – entstehen dabei Kosten?

Wenn Ihr Kreditvertrag Ihnen nicht die Möglichkeit einer vollständigen vorzeitigen kostenlosen Rückzahlung einräumt, kann der Kreditgeber eine sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung fordern. Das Geschäftsmodell der Kreditvergabe funktioniert im Prinzip so, dass eine Bank Ihnen Geld gibt und Sie dafür für einen festgelegten Zeitraum die Raten für den Kredit bezahlen.

Zahlen Sie den Kredit schon nach der Hälfte der Laufzeit zurück, gehen dem Kreditgeber die Zinseinnahmen für die Restlaufzeit des Kredits verloren. Um diesen Verlust zumindest etwas auszugleichen, darf eine Vorfälligkeitsentschädigung erhoben werden.

Wenn Sie also einen Kredit umschulden möchten, müssen Sie auch die mögliche Vorfälligkeitsentschädigung mitfinanzieren. Nur wenn der neue Kredit auch unter Berücksichtigung dieser zusätzlichen Summe noch günstiger ist, lohnt sich eine Umschuldung wirklich.

Umschulden – Schritt für Schritt Anleitung

  1. Lassen Sie sich von Ihrem Kreditinstitut die aktuelle Höhe Ihrer Restschuld bestätigen.
  2. Berechnen Sie genau, wie sich ein neuer Kredit für die Restschuld zusammen mit einer möglichen Vorfälligkeitsgebühr gestalten würde und ob eine Umschuldung Ihnen wirklich niedrigere Raten bieten kann.
  3. Prüfen Sie, ob Sie die Restschuld ohne Vorfälligkeitsgebühr in einer Summe begleichen können oder ob Sie Sondertilgungen über bestimmte Beträge vornehmen dürfen.
  4. Wenn Sie „nur“ Sondertilgungen vereinbart haben, sollten Sie vor der Kündigung des Kreditvertrages diese Möglichkeit nutzen. So reduzieren Sie die Vorfälligkeitsgebühr etwas.
  5. Klären Sie mit Ihrem neuen Kreditinstitut die Bedingungen für ein Darlehen.
  6. Wenn Sie die Sondertilgungen vorgenommen haben, können Sie den Kreditvertrag im Anschluss kündigen. In manchen Fällen ist vertraglich eine Kündigungsfrist von 1 Monat vorgesehen. Andernfalls können Sie den Vertrag auch sofort kündigen. Mit der Kündigung wird dann auch die Restsumme zusammen mit der Entschädigung für die Bank fällig.
  7. Lassen Sie Ihren neuen Kreditgeber die Summe an den alten Kreditgeber auszahlen.

Viele Banken übernehmen den Kontakt mit dem bisherigen Kreditgeber für Sie und nehmen Ihnen damit den Schritt der Kündigung ab.

Fazit

Auch nach den Zinssteigerungen der letzten Jahre kann eine Umschuldung noch immer zu niedrigeren Zinsen und einer geringeren Belastung führen. Sie müssen die vorhandenen Angebote nur sehr genau vergleichen. Wenn Sie eine Restschuldversicherung abgeschlossen haben, führt eine Umschuldung oft zusätzlich zu einer hohen Auszahlung aufgrund des Wegfalls der Versicherung.

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