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Was sind Bereitstellungszinsen?

Insbesondere bei der Finanzierung einer Immobilie können Bereitstellungszinsen eine wichtige Rolle spielen. Foto: © Daenin / stock adobe

Insbesondere bei der Finanzierung einer Immobilie können Bereitstellungszinsen eine wichtige Rolle spielen. Foto: © Daenin / stock adobe

Bereitstellungszinsen sind insbesondere im Zusammenhang mit Krediten und Darlehen ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Diese Zinsen können für Kreditnehmer zu einer zusätzlichen finanziellen Belastung werden, wenn sie nicht rechtzeitig über das geliehene Geld verfügen. In diesem Ratgeber werden wir im Detail erläutern, was Bereitstellungszinsen sind, wie sie berechnet werden, wie hoch sie sein können und wie man sie vermeidet.

Was sind Bereitstellungszinsen?

Bereitstellungszinsen sind eine Entschädigung für den Kreditgeber, wenn der Kreditnehmer nach Zusage des Kredits nicht sofort den vollen Kreditbetrag in Anspruch nimmt. Dies kann beispielsweise bei Baufinanzierungen oder Unternehmenskrediten der Fall sein, bei denen der Kreditbetrag oft nicht auf einmal benötigt wird.

Die Idee hinter den Bereitstellungszinsen ist es, die Kosten zu decken, die dem Kreditgeber entstehen, wenn er das geliehene Geld für den Kreditnehmer reserviert bzw. „bereithält“, obwohl es noch nicht abgerufen wurde. In dieser Zeit kann der Kreditgeber das Geld nicht anderweitig nutzen, verliert potenzielle Zinseinkünfte und hat möglicherweise selbst Kosten für die Bereitstellung der finanziellen Mittel.

Die Bereitstellungszinsen werden in der Regel als Prozentsatz des nicht abgerufenen Kreditbetrags berechnet und über einen bestimmten Zeitraum erhoben. Dieser Zeitraum kann je nach Kreditvereinbarung variieren, üblicherweise beträgt er einige Monate bis zu einem Jahr. Die genaue Höhe der Bereitstellungszinsen hängt vom Kreditgeber, der Art des Kredits und den vertraglichen Vereinbarungen ab (weitere Infos: s. u.).

Wichtig ist zu beachten, dass Bereitstellungszinsen eine zusätzliche finanzielle Belastung für den Kreditnehmer darstellen, insbesondere wenn der Kredit über einen längeren Zeitraum nicht vollständig in Anspruch genommen wird. Um diese Kosten zu möglichst gering zu halten, ist es ratsam, den Kreditbetrag so genau wie möglich zu planen und nur das tatsächlich benötigte Geld abzurufen.

Siehe auch  Täglich aktuell: Die besten Baugeldzinsen im Vergleich

Wie hoch sind Bereitstellungszinsen?

Die Höhe der Bereitstellungszinsen kann variieren, abhängig von verschiedenen Faktoren wie der Art des Kredits und den vertraglichen Vereinbarungen. In der Regel liegen Bereitstellungszinsen zwischen 0,15 % und 0,25 % des nicht abgerufenen Kreditbetrags pro Monat. Dieser Prozentsatz wird oft auf den tatsächlich nicht genutzten Betrag angewendet.

Um dies besser zu verstehen, hier ein Beispiel: Angenommen, Sie können über einen genehmigten Kredit von 100.000 Euro verfügen, benötigen aber zunächst nur 50.000 Euro. Der nicht abgerufene Betrag beträgt daher 50.000 Euro. Wenn die Bereitstellungszinsen bei 0,2 % pro Monat liegen, ergäbe sich folgende Rechnung:

Bereitstellungszinsen = 50.000 Euro x 0,002 (0,2 % als Dezimalzahl) = 100 Euro pro Monat

Wichtig: Die genauen Konditionen von Bereitstellungszinsen können von Kreditgeber zu Kreditgeber variieren. Einige Kreditinstitute rufen höhere oder niedrigere Zinssätze auf. Auch die Dauer, für die die Bereitstellungszinsen erhoben werden, kann unterschiedlich ausfallen. Manche Kreditgeber berechnen Bereitstellungszinsen nur für eine begrenzte Zeit, andere erheben diese über die gesamte Dauer des nicht genutzten Kreditbetrags.

Wenn Sie einen Kredit in Erwägung ziehen, bei dem Bereitstellungszinsen anfallen könnten, ist es ratsam, die vertraglichen Bedingungen genau zu überprüfen. Dies ermöglicht es Ihnen, die genaue Höhe der Bereitstellungszinsen zu ermitteln und zu verstehen, wie sie berechnet werden. Dies wiederum hilft, die finanziellen Auswirkungen der Bereitstellungszinsen in Ihre Gesamtkreditkosten einzubeziehen und fundierte Entscheidungen zu treffen.

Bereitstellungszinsen berechnen – So einfach geht’s!

Die Berechnung von Bereitstellungszinsen ist – wie oben bereits an einem Beispiel dargelegt – im Allgemeinen recht simpel. Sie werden auf Basis des nicht in Anspruch genommenen Kreditbetrags und des vereinbarten Zinssatzes pro Monat berechnet. Die allgemein gültige Formel lautet:

Siehe auch  Hauskauf-Rechner: Kann ich mir eine Immobilie leisten?

Bereitstellungszinsen = nicht abgerufener Kreditbetrag x Zinssatz x Anzahl der Monate

Hierbei ist der nicht abgerufene Kreditbetrag der Betrag, den der Kreditnehmer noch nicht verwendet hat, der Zinssatz der monatliche Zinssatz für Bereitstellungszinsen und die Anzahl der Monate die Dauer, für die die Bereitstellungszinsen berechnet werden.

Wie kann ich Bereitstellungszinsen vermeiden?

Bereitstellungszinsen können vermieden oder zumindest minimiert werden, wenn Sie bestimmte Maßnahmen ergreifen, z. B.:

Genaue Kalkulation des Kreditbedarfs

Planen Sie Ihren Kreditbedarf so genau wie möglich. Beantragen Sie nur den Betrag, den Sie tatsächlich benötigen. Je genauer Sie den Kreditbetrag bestimmen können, desto weniger nicht abgerufenes Kapital bleibt übrig, für das Bereitstellungszinsen anfallen könnten.

Günstige Zuteilungsoptionen

In einigen Fällen bieten Bausparkassen oder ähnliche Kreditgeber die Möglichkeit, die Zuteilung des Kredits zu einem späteren Zeitpunkt zu beantragen, wenn Sie den gesamten Betrag tatsächlich benötigen. Dies kann dazu beitragen, Bereitstellungszinsen zu vermeiden, da der Kredit erst abgerufen wird, wenn Sie ihn wirklich brauchen.

Schnelle Kreditinanspruchnahme

Sobald der Kredit genehmigt wurde, achten Sie darauf, den Kredit so bald wie möglich in Anspruch zu nehmen. Je kürzer die Zeitspanne zwischen der Kreditgenehmigung und der tatsächlichen Kreditaufnahme ist, desto weniger Zeit gibt es für die Anhäufung von Bereitstellungszinsen.

Verhandlung der Kreditkonditionen

Sprechen Sie mit Ihrem Kreditgeber über die Möglichkeit, Bereitstellungszinsen so weit wie möglich zu verringern oder zu vermeiden. In einigen Fällen sind Kreditgeber bereit, die Konditionen anzupassen, um Kunden zu halten oder zu gewinnen. Lassen Sie sich unbedingt eine individuelle Baufinanzierung nach Ihren Bedürfnissen ausarbeiten.

Fazit

Bereitstellungszinsen stellen zusätzliche Kosten dar, die vermieden werden können, indem man den Kreditbetrag sorgfältig plant und zeitnah abruft. Die genauen Konditionen variieren von Bank zu Bank, daher ist es entscheidend, die Vertragsbedingungen gründlich zu prüfen und gegebenenfalls nachzuverhandeln.

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Der Autor Hajo Simons

Verfasst von Hajo Simons

arbeitet seit gut 30 Jahren als Wirtschafts- und Finanzjournalist, überdies seit rund zehn Jahren als Kommunikationsberater.
Nach seinem Magister-Abschluss an der RWTH Aachen in den Fächern Germanistik, Anglistik und Politische Wissenschaft waren die ersten beruflichen Stationen Mitte der 1980er Jahre der Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen (Pressesprecher) sowie bis Mitte der 1990er Jahre einer der größten deutschen Finanzvertriebe (Kommunikationschef und Redenschreiber).

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