Wann braucht ein Haus eine Kleinkläranlage?

#Wer abgelegen wohnt, braucht eventuell eine Kleinkläranlage. Dabei gibt es einiges zu beachten. Unser Ratgeber erläutert die wichtigsten Fakten.

Es kommt immer wieder vor, dass Einzelhäuser oder auch kleinere Siedlungen so abgeschieden liegen, dass sie nicht an die nächste kommunale Kläranlage angeschlossen werden können. Zwar kommt das in Deutschland selten vor, und die Anzahl so abgelegen wohnender Deutscher bewegt sich im einstelligen Prozentbereich. Dennoch stellt sich die Frage: Was passiert dann mit dem Abwasser? Es muss natürlich ebenfalls gereinigt werden – üblicherweise geschieht dies in einer Kleinkläranlage.

Unter diesen Kriterien kommt eine Kleinkläranlage zum Einsatz

Da der Einsatz einer Kleinkläranlage nur für wenige Haushalte in Deutschland infrage kommt, müssen die Gründe triftig sein. Ein Punkt ist unumstößlich: Die Entsorgung des Abwassers über zentrale Stellen ist für so abgelegene Wohneinheiten schlichtweg zu teuer. Die Alternative ist in diesen Fällen eine dezentral agierende Kleinkläranlage. Von ihnen gibt es in Deutschland etwa 700.000.

Bei einer Kleinkläranlage handelt es sich um eine Abwasserbehandlungsanlage, die häusliches Abwasser reinigen kann. Davon kann sie bis zu rund acht Kubikmetern pro Tag verarbeiten. Für vier bis 50 Personen, das Maximum an Bewohnern, für die eine Kleinkläranlage eingesetzt werden kann, dürfen pro Tag und Bewohner somit 150 Liter an Abwasser anfallen – aus Toilette, Dusche, Waschmaschine und Co. Um es verlässlich zu reinigen, muss dieses Schmutzwasser in einem solchen Fall in die Kleinkläranlage eingeleitet werden. Hier ist zu beachten, dass es sich bei Sammelgruben ohne Abfluss bzw. Faulgruben im Garten nicht um Kleinkläranlagen handelt.

Rechtliche Grundlagen der Kleinkläranlage

Einzelhäuser, kleine Siedlungen, Berg- und Schutzhütten sowie teils Gastronomie, die nicht an die Kanalisation angeschlossen sind, sind also auf Kleinkläranlagen angewiesen, um ihr Abwasser zu reinigen. Geregelt ist dieser Vorgang durch die EN 12566-3 und die EN 12566-6. Diese europäischen Normen sind dem Status einer deutschen Norm gleichgestellt. Es sind folgende Aspekte durch diese Norm geregelt:

  • Anforderungen an Kleinkläranlagen
  • Kennzeichnung
  • Prüfverfahren
  • Konformitätsbewertung für vollbiologische Kleinkläranlagen bis 50 Personen.

Natürlich gibt es auch Anlagen, die von der o. g. Norm nicht abgedeckt werden. Das können zum Beispiel Nachrüstsätze für bereits vorhandene Gruben sein. Für deren Prüfung sind die Wasserbauprüfverordnungen und das Deutsche Institut für Bautechnik zuständig. Diese Stellen können die Eignung als Kläranlage bestätigen.

Viele Arten von Kleinkläranlagen

Hauseigentümer müssen wissen: Es gibt viele verschiedene Arten von Kleinkläranlagen. Einen Überblick kann man sich im Übrigen auf Fachportalen wie Klaeranlagen-Vergleich.de verschaffen. Grundsätzlich haben Kleinkläranlagen drei Becken. Dazu gehört ein Absetzbecken, in dem Feststoffe und schwimmende Fette abgesondert werden. Dies ist die mechanische Klärung, bei der der sogenannte Fäkalschlamm entsteht. Der nächste Bereich ist der biologischen Reinigungsstufe gewidmet: Mikroorganismen verarbeiten und reinigen hier das Wasser – ähnlich dem Prozess in Flüssen oder Böden. Doch dieser Vorgang funktioniert nur, wenn den Mikroorganismen ausreichend Sauerstoff zugeführt wird. Am Ende folgt die Nachklärung, bei der die Mikroorganismen wieder herausgefiltert werden. So gesammelt, werden sie wieder zurück in die Vorklärung transportiert, um die Umwelt nicht zu belasten. So gelangt am Ende nur geklärtes Wasser aus der Kleinkläranlage heraus. Flankiert werden diese Becken vom Zulauf und vom Ablauf.

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Für jede Kleinkläranlage gilt, dass sie grundsätzlich eine Vorklärung und eine biologische Reinigungsstufe besitzen muss. Die häufigsten Arten von Kleinkläranlagen sind SBR- und Pflanzenkläranlagen. SBR steht für „Sequenzielle Biologische Reinigung“. Bei dieser Variante einer Kleinkläranlage ist nur ein Becken sowohl für die biologische Reinigung als auch die Nachklärung notwendig. Gröbere Verschmutzungen werden zunächst in einer vorgelagerten Kammer herausgefiltert. Nachdem das Wasser vorgeklärt wurde und die eigentliche SBR-Anlage beschickt wurde, findet eine Belüftung des Beckens statt. Der Sauerstoff ist für Mikroorganismen gedacht, die Kohlenstoff- und Stickstoffverbindungen abbauen. Der so entstandene Belebtschlamm besteht aus diesen Mikroorganismen und setzt sich auf dem Beckenboden ab. Kurz darauf wird er teilweise in einen Schlammtank abgepumpt. Nun zeigt sich oberhalb des Sediments das Klarwasser bzw. gereinigte Abwasser. Dieses darf nun in die Verrieselung oder in Flüsse eingeleitet werden.

Vorteile von SBR-Kleinkläranlagen

  • relativ geringe Kosten
  • kompakte Bauweise

Als Nachteil muss allerdings gewertet werden, dass SBR-Kleinkläranlagen ziemlich unflexibel auf Zulaufschwankungen reagieren. Daher sind oft zusätzliche Speicherbecken für das Abwasser notwendig.

Die Pflanzenkläranlage als Kleinkläranlage

Eine ebenfalls oft eingesetzte Form der Kleinkläranlage ist die Pflanzenkläranlage. Hierfür werden mit Pflanzen bewachsene Teiche, Böden oder Feuchtgebiete eingesetzt. Wenn das Abwasser durch sie hindurchgeleitet wird, wird es gereinigt. Während das Abwasser diese Schichten langsam durchströmt, wirken Pflanzen wie Binsen, Schilfrohr oder Rohrkolben sowie Mikroorganismen und Böden zusammen, um grobe und auch feine Schwebstoffe aus dem Schmutzwasser zu entfernen. Auch das Befreien von organischen und anorganischen Schadstoffen ist in dieser Anlage möglich.

Vorteil der Pflanzenkläranlage

  • Es ist keine künstliche Belüftung notwendig. Der Grund: Die Mikroorganismen versorgen sich selbst über die Pflanzenwurzeln mit Sauerstoff.

Der Nachteil der Pflanzenkläranlage ist ein vergleichsweiser großer Platzverbrauch. Dieser beträgt rund 5 qm pro Bewohner.

Was ist zu tun, wenn die Kleinkläranlage nachgerüstet werden muss?

Wenn für eine abgelegene Siedlung oder ein freistehendes Haus bereits eine Kleinkläranlage mit Dreikammersystem vorhanden ist, ist es möglich, diese in eine vollbiologische Kleinkläranlage umzurüsten. Mit der Umrüstung lässt sich Geld für einen neuen Behälter sparen. Mit dem Nachrüstsatz wird aus der Sammelgrube oder Ausfaulgrube eine normkonforme und vollbiologische Kleinkläranlage. In der Regel gibt es die häufigsten Angebote für das SBR-System oder das Festbettverfahren. Bei diesem kommen ebenfalls Mikroorganismen für die Reinigung zum Einsatz.

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Damit die Nachrüstung gelingt, ist eine gründliche Vorbereitung notwendig. Dazu gehören ein Abfuhrunternehmen und ein Spülwagen, die die Grube am Einbautag der Nachrüstung gründlich reinigen. Sorgen Sie dafür, dass der große Wagen auch Zufahrt zu dem betreffenden Bereich hat. Stellen Sie weiterhin dafür, dass ggf. der Stromanschluss für das neue Klärsystem vorhanden ist. Um Geld zu sparen, können Sie mit dem Monteur der neuen Anlage evtl. einen Barzahlungsrabatt von bis zu drei Prozent aushandeln.

Fazit zur Kleinkläranlage

Wer abgelegen wohnt oder dort bauen möchte, sollte sich ausführlich über die individuellen Möglichkeiten zur Montage einer passenden Kleinkläranlage informieren. Dabei ist es ratsam, sich einen Experten oder ein auf diese Anlagen spezialisiertes Unternehmen hinzu zu holen. Diese Experten wissen auch in Sonderfällen Rat – zum Beispiel bei der Lage in einem Karstgebiet oder in einer Trinkwasserschutzzone. In einem solchen Fall könnten weitergehende Reinigungsanforderungen an die Kleinkläranlage gestellt werden.


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