Dachsanierung: Vor allem Asbestdächer gehören in Profi-Hände

Augen auf bei der Dachsanierung. Denn gesundheitsschädigende Asbestdächer zu sanieren ist nichts für Heimwerker. Das sollten Immobilieneigentümer Profis überlassen.

Jeder Hauseigentümer fürchtet den Tag, an dem das Dach seiner Immobilie saniert werden muss – aufgrund von Aufwand und Kosten. Dieses Thema ist allerdings besonders problematisch, wenn vor Jahren auf dem Dach Asbest verwendet wurde: Gebäude, die aus dem 20. Jahrhundert stammen, wurden sehr häufig mit Asbestprodukten gedeckt. Dachschindeln oder Dachpappen wurden mit asbesthaltigen Faserzementen hergestellt. Dass Asbest krebserregend ist, ist seit den 1930er-Jahren bekannt – aufgrund seiner Hitze- und Säurebeständigkeit wurde es jedoch weiterhin verbaut. Erst im Jahr 1990 wurde der Einsatz von Asbest schließlich in Deutschland, Österreich und der Schweiz verboten – die EU zog im Jahr 2005 nach.

Asbest als Gesundheitsrisiko – Was das für Hausbesitzer bedeutet

Wer ein Haus mit potenziellem Asbestdach aus dem vergangenen Jahrhundert sein Eigen nennt, muss einiges beachten. Ist er sich unsicher, ob sein Faserzementdach Asbest enthält, sollte er das durch Experten, zum Beispiel einen Dachdecker, klären lassen. Ist das Ergebnis positiv, weiß der Hausbesitzer nun sicher: Es dürfen durch ihn als Laien auf keinen Fall Arbeiten am Dach vorgenommen werden – schon eine einzelne winzige Asbestfaser, die in die Atemwege gelangt, kann Krebs auslösen. Daher darf das Asbestdach auch nicht geschliffen oder instandgehalten werden. Eine Photovoltaik-Anlage darf auf einem Asbestdach nur als absolute Ausnahme angebracht werden. Wird es dennoch gemacht, gilt dies als Ordnungswidrigkeit oder sogar als Straftat. Sämtliche Vorgaben zum Umgang mit Asbest sind in der TRGS 519 geregelt.

Ist das Asbestdach jedoch undicht und in die Jahre gekommen, muss eine professionelle Sanierung vorgenommen werden. Hierfür müssen Hausbesitzer aufgrund der hohen Gefährdung und der einhergehenden strengen Auflagen ein Handwerksunternehmen beauftragen, dessen Personal für die Arbeiten mit Asbest zertifiziert wurde. Diese Handwerker sind in der Lage, das Asbestdach fachgerecht zu sanieren. Hierbei werden möglicherweise weitere Bauelemente verbaut oder das Dach komplett ausgetauscht. Außerdem sind solche Unternehmen in der Lage, die giftigen Asbestreste gesetzeskonform zu entsorgen.

Wie die Sanierung des Asbestdaches abläuft

Hausbesitzer, die ihr Asbestdach sanieren oder ersetzen lassen wollen, tun gut daran, sich genau über die Abläufe zu informieren. Denn diese bringen gegenüber einem unbelasteten Dach einige Besonderheiten mit.

Bevor die eigentlichen Arbeiten beginnen, begutachtet das Dachdeckerunternehmen die jeweilige Immobilie genau. Dabei liegen die Vorgaben der „TRGS Asbest: Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten“ zugrunde. Auf dieser Basis entwickelt das Gewerk ein Renovierungskonzept, das die Abläufe genau regelt und vor allem dafür sorgt, dass keine der krebserregenden Asbestfasern freigesetzt werden. Dafür kommen spezielle Abdeckungen und Restfaserbindemittel zum Einsatz. Auch die Arbeiter schützen sich mit spezieller Schutzkleidung und Atemschutzmasken.

Sobald alles vorbereitet ist, werden die asbesthaltigen Baustoffe rückgebaut – unter größten Sicherheitsvorkehrungen. Das bedeutet, dass die Asbest-Dacheindeckungen wie Schieferimitate oder Wellasbest-Eternit-Dächer entfernt werden. Und zwar so, dass so wenig Asbestartikel wie möglich gelöst werden. Auch wenn die Arbeiter fachmännisch und umsichtig arbeiten, sind sie jedoch nicht 100%ig geschützt. Daher werden überdies spezielle Sauggeräte und Schleusen verwendet. Nachdem die belasteten Baustoffe abgetragen wurden, werden sie in luftdichten Spezialbehältern in geeignete Deponien gebracht und dort entsorgt. Nach all den aufwändigen Arbeiten am Dach muss die Baustelle besonders gut gereinigt werden – schließlich wurde an stark gesundheitsgefährdendem Material gearbeitet.

Asbestdachsanierung: Was Hausbesitzer wissen müssen

Die Arbeiten am krebserregenden Asbestdach bringen mitunter höhere Kosten für die Abriss- und Entsorgungsarbeiten mit. Diese Zusatzkosten hängen immer vom jeweiligen Material ab. Jedoch werden durch das Fachunternehmen die An- und Abfahrt, die Arbeitsstunden, das Material für die Notabdeckung, die Gerüstmiete und die spezielle Entsorgung berechnet. Für jeden der Punkte ist der Aufwand, wie oben beschrieben, besonders hoch.

Daher sollten Hausbesitzer sich darum bemühen, die Rechnungen des Dachdeckerunternehmens für die Asbestdachsanierung als außergewöhnliche Belastung steuerlich geltend zu machen. Der Bundesfinanzhof hat ein solches Anliegen bereits einmal positiv entschieden (BFH, Az.: VI R 47/10). Überdies können die Handwerkerkosten mit bis zu 20 % in der Steuererklärung angesetzt werden. Alternativ stellen Kommunen, Länder und Bund zinsgünstige Darlehen für die Asbestdachsanierung zur Verfügung. Vor der Asbestsanierung sollten Eigentümer daher alle Möglichkeiten der Bezuschussung oder Absetzbarkeit prüfen.

Was sich am Ende auf jeden Fall rentiert, ist ein Eigenheim bzw. eine Geschäftsimmobilie, die optisch moderner, wieder funktional sowie wohngesünder ist – und deren Wert durch die Dachsanierung erheblich gesteigert wurde.

 


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