Günstiger Strom durch regionale Stromanbieter? Tipps für Verbraucher

Die Strompreise steigen seit rund einem Jahr in ungekannte Höhen. Grund genug, die Angebote regionaler Stromanbieter zu prüfen und neben der Grundversorgung der Stadtwerke auch kleinere Anbieter in Betracht zu ziehen.

Nirgends ist der Strom so teuer wie in Deutschland. Das hat der Energiedienstleister Global Petrol Prices bei einem weltweiten Vergleich 2022 herausgefunden – also noch vor der Erhöhung von durchschnittlich 31,80 Cents auf teils über 80 Cents pro Kilowattstunde. Damals waren die Strompreise in Deutschland rund 2,7mal so hoch wie im internationalen Durchschnitt.

Firmen können den Strompreis mittlerweile nicht mehr weiter auf Verbraucherinnen und Verbraucher umlegen, denn auch die übrigen Lebenshaltungskosten sind gestiegen. Wer jetzt noch in einem teuren Tarif gefangen ist, sollte daher zum nächstmöglichen Termin den Anbieter wechseln. Doch wie finden Sie heraus, ob Sie zu viel für Ihren Strom zahlen?

Grundversorgung ist immer teurer als Vertragsbindung

Eine Kostenfalle ist die sogenannte Grundversorgung. Darunter verstehen Stromanbieter einen Basistarif, der keinerlei Vorteile für den Abnehmer bietet. Wer seinen Stromanbieter sofort kündigen möchte und noch keinen neuen Versorger hat, sich in Deutschland völlig neu meldet und beim Bezug der Wohnung Strom benötigt oder wessen regionaler Stromanbieter insolvent geht, wechselt automatisch in die Grundversorgung.

Grundversorger sind immer die jeweiligen Stadtwerke der Wohngegend. Die Stadtwerke sind kommunaler Betriebe, die sich um die Grundversorgung mit Strom, Wasser und Fernwärme kümmert. Als Grundversorger betreiben die Stadtwerke beispielsweise Wasserwerke, Klärwerke, Umspannwerke und viele weitere Infrastrukturen.

Sie warten die Energie-Infrastruktur und sorgen dafür, dass – egal ob in der Grundversorgung oder extern – der Strom in allen Haushalten der Stadt oder des Kreises ankommt. Stromanbieter speisen ihren Strom in die Netze der Stadtwerke und Grundversorger ein.

Dadurch entstehen den Stadtwerken höhere Kosten als den Anbietern selbst. Dieser Preis wird durch den Strompreis in der Grundversorgung abgebildet. Bis zu drei Monate können Verbraucherinnen und Verbraucher ohne Tarifwahl Strom beziehen. Dann wird ihnen durch die Stadtwerke in der Regel der allgemeine Tarif für die jeweilige Stadt angeboten.

Erst durch diesen Vertragsabschluss kommen Kunden- und Treuerabatte beispielsweise für eine Mindestvertragslaufzeit zum Tragen. Beziehen Sie also aktuell Strom über die Grundversorgung, sollten Sie so schnell wie möglich einen passenden Tarif mittels eines geeigneten Stromtarifrechners finden.

Regionale Stromanbieter vergleichen

In einem Stromanbieter Test haben im Jahr 2022 kaum bekannte regionale Stromanbieter die ersten Plätze belegt. Das ist für Experten keinesfalls verwunderlich. Je kleiner der Kundenstamm, desto einfacher kann der regionale Stromanbieter den Verbrauch seiner Kundinnen und Kunden vorhersagen und Strom günstig einkaufen.

Auf diesen Schritt verzichten beispielsweise die Grundversorger, die Stadtwerke der Region. Sie kaufen so viel Strom an, wie sie für die Grundversorgung benötigen. Die Produktion des Stroms übernehmen in Deutschland nur rund 60 Firmen. Dem gegenüber stehen mehrere hundert regionale Stromanbieter, die Strom zu günstigen Konditionen einkaufen und ihn auf ihre Kundinnen und Kunden verteilen. Auch die unterschiedlich hohen Netzentgelte wirken sich auf den Strompreis aus.

Rund 30 Prozent der Energiepreise, egal ob beim Grundversorger, großen Erzeugern oder in Tarifen regionaler Stromanbieter, sind unveränderliche Steuern, Umlagen und Abgaben. Mit den neuen Umlagen 2022 waren also alle Stromanbieter gezwungen, den Strompreis um einen bestimmten Satz zu erhöhen, doch nicht alle schlugen sich dabei auch eine erhöhte Gewinnmarge auf.

Ein Blick in die Tabellen der Vergleichsportale zeigt, dass der Strompreis aktuell überall hoch ist. Doch durch Treuerabatte, Kundenvorteile und besonders günstige Tarife für alle, die nach Tag- und Nachtstrom verrechnen, können selbst Singles mit einem Wechsel mehrere hundert Euro im ersten Jahr sparen.

Je nach Vergleichstool können Sie auswählen, wie wichtig Ihnen Ökostrom und die Regionalität der Versorger sind. Es kann sich jedoch, wenn Sie ausschließlich nach Niedrigpreisen beim Strompreis suchen, auch lohnen, auf Rückzahlungsangebote nach einer bestimmten Zeitspanne, Neukundenboni und Treueprämien zu achten. Dabei sollten Sie immer auch den Preis ab dem 2. Jahr im Blick behalten.

Regionale Wirtschaft stärken durch Wahl regionaler Stromanbieter

Eine Frage, die sich viele Verbraucherinnen und Verbraucher stellen, ist, inwiefern regionale Stromanbieter davon profitieren, wenn Kundinnen und Kunden aus dem direkten Umland zu ihnen wechseln. Zum einen sind die kleinen Anbieter fast immer günstiger als die Stadtwerke und deutlich günstiger als eine Grundversorgung.

Zum anderen richtet sich der Strompreis auch danach, wie viel Strom der regionale Stromanbieter günstig ankaufen kann und wie weit dieser Strom transportiert werden muss. Wer direkt neben Windparks und Photovoltaikanlagen wohnt, spart also in der Regel deutlich im Vergleich zu Verbraucherinnen und Verbrauchern, deren Strom viele hundert Kilometer unterwegs ist.

Während ein regionaler Stromanbieter also vor allem besser planen und dadurch zuverlässig günstig Strom einkaufen kann, wird auch die Energiewirtschaft der Region gestärkt. Es gibt allerdings auch eine Kehrseite kleinerer regionaler Stromanbieter. Durch ein Überangebot regionaler Stromanbieter, je nach Region Deutschlands, kann es langfristig zu Insolvenzen durch Misskalkulation kommen. Doch keine Sorge: Sollte Ihr regionaler Stromanbieter Insolvenz anmelden, versorgen die Stadtwerke und Grundversorger Sie, bis Sie einen passenden Anbieter mit fairem Strompreis gefunden haben.

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