Beseitigung von Unwetterschäden kann Steuern sparen

Beseitigung von Unwetterschäden kann Steuern sparen

Schäden durch Sturm, Hagel, Blitz oder Überschwemmung: Immobilieneigentümer werden regelmäßig mit Unwetterschäden konfrontiert. Falls die Versicherung nicht oder nicht alles zahlt, besteht die Möglichkeit, Kosten steuerlich geltend zu machen, die durch die Beseitigung solcher Schäden entstehen.
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Jedes Jahr verursachen Unwetter deutschlandweit Verwüstungen. Diese zum Teil immensen Beschädigungen betreffen nicht nur Wälder oder landwirtschaftliche Nutzflächen, sondern auch Gebäude, dazugehörige Gärten und im schlimmsten Fall auch das Mobiliar innerhalb eines Hauses. Wer Glück hat, kann auf die Regulierung solcher Schäden durch eine Gebäude- oder Hausratversicherung hoffen. Bei wem die Versicherung nicht zahlt, der kann zumindest einen Teil der Kosten für die Instandsetzung oder Reparatur über das Finanzamt zurückholen.

So darf beispielsweise ein Hauseigentümer in seiner Einkommenssteuererklärung Kosten geltend machen, die ihm entstanden sind, weil er z. B. seine Eigentumswohnung nach einer Überschwemmung grundlegend sanieren musste, um sie wieder bewohnbar zu machen. Auch Aufwendungen für die Beseitigung von sturmbedingten Schäden an seinem Wohnhaus lassen sich steuerlich absetzen. Voraussetzung für die Absetzbarkeit ist allerdings, dass die Kosten durch ein sogenanntes unabwendbares Ereignis und die dadurch verursachten Schäden entstanden sind. Um diese Bedingung zu erfüllen, genügt bereits ein kurzes, aber sehr heftiges Unwetter mit Hagelschlag und Orkanböen. Es muss also kein über Tage hinweg andauernder Sturm nachgewiesen werden.

Regulierung von Unwetterschäden durch die Versicherung vor steuerlicher Geltendmachung

Betroffene müssen bezüglich der Kosten grundsätzlich zunächst die Regulierung mithilfe vorhandener Versicherungen anstreben. Dies bedeutet, dass man zuerst prüfen muss, ob die entstandenen Schäden eventuell durch eine Versicherungspolice abgedeckt sind. Erst falls das nicht oder nicht komplett der Fall ist, kann man die Aufwendungen steuerlich geltend machen. Von Seiten des Finanzamts wird gefordert, zunächst sämtliche, im Rahmen des Versicherungsschutzes bestehenden, Regulierungsansprüche zu nutzen. Wurde ein Teil der Kosten bereits von einer Versicherungsgesellschaft getragen, ist der Betroffene verpflichtet, dies bei der Finanzbehörde anzugeben. Man darf also beim Finanzamt lediglich Aufwendungen geltend machen, die am Ende keine Versicherung zahlt.

Welche Kosten steuerlich absetzbar sind – von der Reparatur bis zur Räumung

Bezüglich der Regulierung von Unwetterschäden durch Versicherungen ist es wichtig zu wissen, dass es Schäden gibt, die vom jeweiligen Versicherer nur dann reguliert werden, wenn sie zum Leistungsumfang einer sogenannten Elementarschäden-Police gehören. Zu diesen Elementarschäden gehören vor allem:

  • Schäden durch Hochwasser
  • Sturmschäden
  • Schäden aufgrund Schneedruck
  • Erdbebenschäden

Vom Finanzamt werden derartige Versicherungen aber nicht als obligatorisch angesehen. Was bedeutet, dass ein Betroffener, der nicht über einen solchen Versicherungsschutz verfügt, bei entsprechenden Schäden beispielsweise Reparaturkosten, Kosten für eine Räumung (z. B. Beseitigung von Schutt) und auch Aufwendungen für die Neuanschaffung von Mobiliar sowie sonstigen Gegenständen im Bereich Hausrat in seiner Steuererklärung geltend machen darf.

Art und Höhe der steuerlich absetzbaren Kosten

In der Regel wird vom Finanzamt nicht der Neuwert von Gegenständen berücksichtigt, sondern lediglich der Zeitwert (also der Wert am Tag, an dem ein Schaden entstanden ist). Darüber hinaus akzeptiert das Finanzamt nur Schäden, die an lebenswichtigen Gegenständen entstanden sind. Beispielsweise werden Garagen, Kraftfahrzeuge oder auch Terrassen nicht als existenziell notwendig angesehen und vom Finanzamt im Rahmen der steuerlichen Regulierung in der Regel nicht berücksichtigt. Was man steuerlich geltend machen kann, ist das für die Regulierung notwendige Gutachten durch einen Sachverständigen. Außerdem darf man die Aufwendungen steuerlich absetzen, die für Entsorgungsmaßnahmen entstehen.

Wichtig: Wer die genannten Kosten geltend machen möchte, der muss sie unter „außergewöhnliche Belastungen“ angeben. Dabei wird dem Antragsteller immer erst ein zumutbarer Eigenanteil aufgebürdet, dessen Grundlagen das zu versteuernde Einkommen, der Familienstand sowie die Anzahl von vorhandenen Kindern sind. Hier gibt es eine spezielle Staffelung.

Zeitnahe Geltendmachung von Elementarschäden ist ratsam

Wer als Immobilieneigentümer von solchen Elementarschäden betroffen ist, der sollte die notwendigen Reparaturmaßnahmen nicht zu lange hinauszögern. Je mehr Zeit nach dem Entstehen solcher Schäden vergeht, desto schwieriger kann es werden, den ursächlichen Zusammenhang zum entstandenen Schaden nachzuweisen. Eine vom Finanzamt akzeptierte Ausnahme ist, wenn der Betroffene die Kosten für die Reparaturen nachgewiesenermaßen nur über einen längeren Zeitraum hinweg leisten konnte. Dann wird vom Finanzamt auch eine Geltendmachung akzeptiert, die erst später (maximal drei Jahre ab dem Zeitpunkt der Entstehung eines Schadens) erfolgt.

Handwerkerleistungen geltend machen

Erfahrungen zeigen, dass die Aufwendungen für Schadenbehebungen sehr häufig niedriger sind, als die vom Staat vorgegebene Grenze für die zumutbare Eigenbelastung. In diesem Fall sollte man z. B. die von einem professionellen Handwerksbetrieb durchgeführten Reparaturarbeiten als sogenannte Handwerkerleistungen steuerlich geltend machen. Die dafür vorgesehene Steuerermäßigung beläuft sich immerhin auf maximal 1.200 Euro pro Kalenderjahr. Geltend machen darf man jedoch ausschließlich die Arbeitsstunden, das Material bleibt hier unberücksichtigt. Insgesamt dürfen 20 Prozent von maximal 6.000 Euro der Bruttoarbeitskosten im Kalenderjahr in der Einkommenssteuererklärung geltend gemacht werden. Normalerweise wird vom Finanzamt ein Nachweis für die Überweisung des Rechnungsbetrages verlangt. Nicht anerkannt werden hingegen Barzahlungen.

Zusatz-Tipp: Wird eine Region von einem Sturm getroffen, durch den große Schäden entstehen, wird von den zuständigen Institutionen in der Regel bereits kurz danach ein sogenannter Katastrophenerlass veröffentlicht. Er enthält immer Angaben zu gewährten Steuererleichterungen. So erfährt man beispielsweise, wie man etwa Vorauszahlungen im Rahmen der Einkommens- und Körperschaftsteuer angleichen oder anstehende Steuerzahlungen mithilfe eines gut begründeten Antrags stunden (aufschieben oder aussetzen) lassen kann. Die meisten Finanzämter verzichten nach solchen Ereignissen zudem auf Vollstreckungsmaßnahmen oder die Erhebung von Säumniszuschlägen.

Elementarschäden in Land- und Forstwirtschaft

Da solche Ereignisse sehr oft Schäden in der Land- und Forstwirtschaft sowie bei den mit ihnen verbundenen Wirtschaftszweigen verursachen, gewährt das Finanzamt Land- und Forstwirten, aber auch Selbstständigen oder Gewerbetreibenden oft Sonderabschreibungen von maximal 30 Prozent. So lassen sich die Kosten für die Wiederherstellung von ganz oder teilweise zerstörten Gebäuden leichter stemmen.

Für zu ersetzende Traktoren oder sonstige bewegliche Anlagegüter können auf Antrag Sonderabschreibungen (bis maximal 50 Prozent der Anschaffungskosten) geltend gemacht werden. Hat ein Steuerpflichtiger aufgrund entstandener Elementarschäden seine kompletten Buchhaltungsunterlagen unwiederbringlich verloren, sollte er einen solchen Verlust unverzüglich melden und alles gut dokumentieren. Kann er den Schaden glaubhaft nachweisen, hat er vom Finanzamt meist nichts zu befürchten.

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Anmerkung der Redaktion: Der Autor dieses Textes ist kein Steuerberater und auch kein Rechtsanwalt, sondern Wirtschafts- und Finanzjournalist. Finanzjournalisten ist rechts- und steuerberatende Tätigkeit per Gesetz untersagt. Der Text dient lediglich der Information von Steuerzahlern und (angehenden) Bauherren oder Immobilienkäufern. Eine Beratung oder gar konkrete Empfehlungen enthält der Text nicht. Diese sind auch nicht beabsichtigt. Obwohl die für den Text verwendeten Quellen als zuverlässig gelten, wird keine Garantie für die Richtigkeit übernommen. Die Ausführungen und Erklärung können und sollen das Gespräch mit einem Steuerberater und/oder Rechtsanwalt nicht ersetzen.

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