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Immobilienanzeigen: Die Sprache von Immobilienmaklern einfach verstehen

Wer ein Haus oder eine Wohnung kaufen möchte, sollte die Immobilienanzeigen in Internetportalen oder Zeitungen genau lesen. Den nur wer die Sprache von Immobilienmaklern und Immobilienverkäufern versteht, kann von vornherein viel besser erkennen, wo eine Besichtigung lohnt oder eben nicht.
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Günstiger geht’s kaum. Schon seit einer kleinen Ewigkeit halten sich die Zinsen auf einem Rekordtief. Finanzelle günstige Rahmenbedingungen also für Immobilienkäufer und auch Bauherren. Doch am Anfang steht die Suche nach dem Traumhaus oder einer passenden Wohnung. Und diese Suche beginnt fast immer mit dem Durchforsten von Verkaufsanzeigen.

Anzeige soll Interesse wecken

Was am Wochenende im Immobilienteil der Zeitung oder mehr noch in einer der inzwischen zahlreichen Immobilienbörsen im Internet steht, ist meist der erste Kontakt zum neuen Zuhause. Neugierig soll der Text machen und möglichst nicht gleich alles verraten. Schließlich sind vor allem Immobilienmakler meist Profis, die die Ware „Haus“ oder „Wohnung“ möglichst teuer an den Mann oder die Frau bringen wollen. Damit das funktioniert, müssen sie ihr verkäuferisches Handwerk beherrschen. Jeder gute Immobilienmakler weiß schließlich, dass sich ein Objekt einfacher verkaufen lässt, sobald die Kurzbeschreibung in einer Anzeige möglichst vielversprechend ausfällt.

Bisweilen wurde früher auch ein wenig übertrieben. Frei nach dem Motto: Zuspitzung verdeutlicht die Wahrheit. Diese Zeiten haben sich mittlerweile geändert, so scheint es jedenfalls. Vor allem Makler müssen sich – Stichwort: Haftung – warm anziehen, sofern eine Immobilie nicht hält, was in der Anzeige vollmundig versprochen wird.

Dennoch sollten Haus- und Wohnungskäufer zweimal hinschauen, bevor sie zugreifen. Deshalb ist die genaue Objektbesichtigung das A und O für eine Entscheidung. Tipp zum Besichtigungstermin: Ein Haus darf nicht nur bei Sonnenschein gefallen, sondern muss seinen Charme auch bei Nieselregen oder Graupelschauer entfalten können. Mit anderen Worten: Als potenzieller Käufer sollten Sie das Haus oder die Wohnung an unterschiedlichen Tagen und zu unterschiedlichen Tageszeiten besichtigen.

Auf diese Wertfaktoren der Immobilie kommt es an

Wenn dann auch noch die sogenannten Wertfaktoren der Immobilie stimmen, steht dem Kaufvertrag nicht mehr viel im Weg. Wichtig: Der faire Verkaufspreis einer Immobilie bemisst sich nicht nur nach Größe, Bauausführung und Ausstattung. Auch andere Kriterien wie Lage bzw. Standort einer Immobilie sind mindestens genauso bedeutsam.

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Neben der regionalen Lage – also beispielsweise mitten in der Stadt oder auf dem flachen Land – spielt auch der individuelle Standort eine Rolle bei der Preisgestaltung. Wenn die Infrastruktur in der direkten Umgebung stimmt, darf der Preis vergleichsweise höher ausfallen. Zu einer guten Infrastruktur zählen zum Beispiel Geschäfte, Einkaufszentren, Kindergarten und Schule in erreichbarer Nähe sowie Autobahnanschluss oder Einrichtungen des öffentlichen Personen-Nahverkehrs. Verkäufer müssen immer dann Preisabstriche machen, sobald eines oder mehrere der oben genannten Kriterien nicht erfüllt sind.

Wie Sie die Sprache der Immobilienverkäufer entschlüsseln

Was einen Kaufinteressenten bei einer Besichtigung erwartet, können Profi-Anzeigenleser schon vorab ausmachen – zumindest richtungsweisend. Denn die Sprache der Immobilienverkäufer lässt sich – vergleichbar mit der Zeugnissprache der Chefs am Arbeitsplatz – vergleichsweise einfach entschlüsseln. Da wird in der Regel zwar nicht gelogen, aber Kaufinteressenten sollten schon wissen, dass es sich bei den Anzeigen schlicht um Werbung handelt – Zuspitzung der Wirklichkeit inklusive.

Beispiel Ortsangaben: So steht „in unberührter Natur“ wahrscheinlich für „mitten auf dem Acker“. Ähnlich wie „dörflich gelegen“, was wohl in Wirklichkeit bedeutet „wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen“. Und wer sich für eine Immobilie in „ruhiger Randlage“ entscheidet, darf künftig mit drei Kilometern Feldweg zum nächsten Dorf vorlieb nehmen.

Das Gegenteil gibt’s natürlich auch. So weist eine „lebhafte Umgebung“ verschämt darauf hin, dass Schlaf erst im Morgengrauen möglich ist. Ebenso wie „jugendliches Ambiente“. Übersetzt könnte das heißen: „Kneipenviertel, in dem man bis tief in die Nacht kein Auge zutun kann.“

Auch bei Angaben zur Beschaffenheit von Haus oder Wohnung sollten Käufer zwischen den Zeilen lesen können. Bei einer „außergewöhnlichen Architektur“ könnte es sich um eine geschmackliche Verirrung handeln. „Perfekte Wohnung“ heißt übersetzt möglicherweise „hier kann nichts mehr geändert werden“ und „gut erhalten“ könnte vielleicht „renovierungsbedürftig“. Bedeuten.

Was für das Innenleben einer Immobilie gilt, hat auch für das Drumherum seine Bewandtnis. Wer für eine „idyllische Hanglage“ schwärmt, bekommt möglicherweise Feuchtigkeit gratis. Und bei einem schlichten „Garten“ (nicht „schöner Garten“) muss die Planierraupe höchstwahrscheinlich erst einmal für Ordnung sorgen.

Vorsicht, wenn Selbstverständlichkeiten betont werden

Vorsicht auch, wenn Selbstverständlichkeiten wie „sehr gute Wohnungsaufteilung“ oder „Schallschutz nach DIN“ gesondert erwähnt werden. Außer dem Minimum an Ausstattung darf der Käufer hier offensichtlich nicht viel mehr erwarten.

Selbstverständlich sind die Übersetzungen zu den genannten Floskeln, die häufig in Immobilienanzeigen zu finden sind, etwas überspitzt formuliert. Doch die Tendenz stimmt: Wer den Geheimcode der Anzeigensprache knacken will, muss zwischen den Zeilen lesen können. Nicht alles, was sich auf dem Papier phantastisch anhört, ist in Wirklichkeit genauso schillernd. Die Wahrheit liegt eben doch oft in der Mitte.

Der Geheimcode der Immobilienanzeigen: So lesen Sie Immobilienanzeigen richtig

Leicht überspitzt finden Sie jeweils in der zweiten Zeile die „Übersetzung“ einer Anzeigenformulierung.

  • Absolut ruhige Wohnlage = Nicht ganz so laut wie ĂĽblich
  • Allerbeste Mietgarantie = Ist im Kaufpreis schon längst einkalkuliert
  • Altbau mit hohen Decken = FĂĽr die Heizkosten benötigt man jährlich einen fetten Lottogewinn
  • Am Zinkgrubenweg = Altlastengefahr! Hier lag frĂĽher keine RosenzĂĽchterei
  • Am schönen Ausflugsziel gelegen = Im Sommer alles zugeparkt
  • Aufstrebendes Viertel = Hier wird viel gebaut
  • Ausbaufähiges Dachgeschoss = Musste wegen zu hoher Kosten (z B fĂĽr Brandschutz) unterbleiben
  • Aufwendig sanierter Altbau = Das völlig heruntergekommene Haus musste mit hohen Kosten in Normalzustand versetzt werden
  • AuĂźergewöhnliche Architektur = Geschmackliche Verirrung
  • Ă„uĂźerst ruhige Lage, direkt an der S-Bahn = Nur wenn die Eisenbahner streiken
  • Bad mit vergoldeten Armaturen = FĂĽr wichtigere Dinge (z B Fehlerstromschutzschalter) war kein Geld mehr da
  • Baujahr wird dezent verschwiegen = Altes Haus
  • Begehrte Lage = Jetzt teuer, weil alle dorthin wollen In ein paar Jahren sinkt der GrundstĂĽckswert
  • Biotop im Garten = SchlammtĂĽmpel einschlieĂźlich Froschgequake
  • Bodentiefe Fenster = Im Sommer kommt die Sonne gut rein und im Winter kann die Wärme gut raus
  • Das ideale WohnvergnĂĽgen = Humor erforderlich
  • Designer-Top-Ausstattung = Unverputzte Ziegelwände, Interieur ist eine kalte Mischung von Glas und Edelstahl
  • Dielenböden = Vor allem im Altbau mit Knarrgarantie
  • Dörflich gelegene Villa = Wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen
  • Echte Sprossenfenster = Putzen von vielen Fensterscheiben als Wochenendsport
  • Eckhaus = Doppelte AnliegergebĂĽhren und doppelter Verkehrslärm
  • Eine Komposition aus Qualität und Lage = Mit dem einen muss das niedrige Niveau des anderen ausgeglichen werden
  • Einliegerwohnung wird frei = Wird und Ist sind zweierlei
  • Elegante Doppelhaushälfte = Optisch ansprechend, doch der Nachbar wird muss mitgekauft werden
  • Erlesenes Ambiente = Vornehme Gegend, goldene Manschettenknöpfe bei der Gartenarbeit erforderlich
  • Exklusive Lage = Viertel, in das nicht jeder ziehen möchte
  • Experimenteller Wohnungsbau = Technische Katastrophe
  • Fachwerkhaus = Kann kaum heutigen WohnansprĂĽchen genĂĽgen
  • FĂĽr Schnellentschlossene = Seit Jahren unverkäuflich
  • FĂĽr Kapitalanleger = Der Verkäufer möchte selbst nie drin wohnen
  • Halbfreistehend = Das gewöhnliche Doppelhaus
  • Hofgewerbe = Ab sechs Uhr frĂĽh wird gehämmert
  • Garten (nicht: „schöner“ Garten) = Die Planierraupe muss erst mal Ordnung schaffen
  • Gemeinschaftsgarten = Streit um Benutzung programmiert
  • GemĂĽtlicher Balkon zum Innenhof = Jeder bekommt das Freizeitleben der anderen mit
  • Geringe Restarbeiten, noch gĂĽnstiger = Der Bau-Unternehmer hat’s dafĂĽr schon so kalkuliert, dass er nicht vom Zuzahlen lebt
  • GroĂźes ParkgrundstĂĽck = Hohe Kosten fĂĽr Garten und Rasenpflege
  • GroĂźzĂĽgige Räume = Riesige Zimmer verursachen enorme Heizkosten
  • GroĂźzĂĽgige Zweizimmerwohnung = Kneipsäle zum Wohnen umfunktioniert
  • Gut erhalten = RenovierungsbedĂĽrftig
  • Gute Verkehrsanbindung = Bushaltestelle und Fahrgäste direkt vor dem Haus
  • Ideal fĂĽr Individualisten = Wirkt auf den Partner abschreckend
  • Idyllische Hanglage = Feuchtigkeit gratis
  • In ruhiger und zentraler Lage = Echter Idealfall: Vorn die Nordsee, hinten die Alpen
  • In unberĂĽhrter Natur gebaut = Mitten auf dem Acker
  • Individuell gestaltet = Verkorkster Wohnungszuschnitt
  • Jugendliches Ambiente = Kneipenviertel
  • Jugendstilfassade und Thermofenster = Altbau mit Isolierfenstern, Feuchtigkeitsschäden programmiert
  • Jugendstilhaus mit imposanter Holztreppe = Knarrendes Holz verscheucht jeden Einbrecher
  • Landhausbauweise = Der ausgebaute Geräteschuppen
  • Marmorbad = Marmorpflege ist ein schweiĂźtreibendes Hobby
  • Laminatboden = Zwischen Laminat und richtigem Parkett liegen Welten
  • Lebhafte Umgebung = Schlaf erst im Morgengrauen möglich
  • Marmorkamin = Heizt und qualmt genauso wie der schlicht offene Kamin
  • Mit Einliegerwohnung = Ist sie vermietet oder frei?
  • Mit Fernheizung = Ein Preisvergleich zur eingebauten Heizung lohnt immer
  • Mit Flachdach = FĂĽr den, der das wässrige Abenteuer liebt
  • Mit Wintergarten = Im Winter ĂĽberhöhte Heizkosten, sommertags Dampfsauna
  • Naher Supermarkt = Lieferlärm ab morgens um 5 Uhr
  • Offene EinbaukĂĽche = KochdĂĽnste ziehen garantiert ins Wohnzimmer
  • Offener Baustil mit mehreren Wohnebenen = Wohnen im Treppenhaus
  • Penthouse mit malerischer Aussicht = Ständig weht der Wind um das Obergeschoss des Hochhauses
  • Puristisches Wohnkonzept = Spartanisch und auf das Minimum beschränkt
  • Restaurant XYZ direkt in der Nähe = Das harmloseste ist das ständige DĂĽddelĂĽdĂĽtt des Taxifunks
  • Restauriertes Patrizierhaus = Altbau aus der GrĂĽnderzeit, dafĂĽr aber unter Denkmalschutz
  • Ruhige Randlage = Drei Kilometer Feldweg bis zum nächsten Dorf
  • Schallschutz nach DIN = Höchste Vorsicht: Schallschutz nach DIN ist nicht etwas besonders Gutes, sondern das absolute Minimum
  • Schöne breite StraĂźenfront = Hohe Anlieger- und StraĂźengebĂĽhren
  • Schwimmbad im Hause = Enorme Unterhaltungskosten
  • Seriöses Umfeld = Bankenviertel, abends tote Gegend
  • Siedlung mit ökologischer Entsorgung = Kläranlage neben dem Haus
  • SpaĂźqualität = Ständiges Partytreiben in der Nachbarschaft
  • Studio-Wohnung = Unter Einsparung von Zwischenwänden wurde das Dachgeschoss saalartig ausgebaut
  • Super-Reihenhaus = Alle Nachteile des Reihenhauses in geballter Form
  • Top-Lage = Neubaugebiet, das gerade erschlossen wird
  • TraumgrundstĂĽck = Aber ganz normale Nachbarschaft
  • Traumhafter Blick ĂĽber Pferdekoppeln und Weideland = Ohne Gummistiefel und Geländewagen geht hier nichts
  • Unter Denkmalschutz = EigentĂĽmerrechte liegen in der Hand des Denkmalpflegers
  • Unterkellert = Unterkellert ist nicht voll unterkellert
  • Unverbaubare SĂĽdlage = Auf die hier verlaufende Autobahn kann kein Nachbar mehr bauen
  • Unverbaute SĂĽdlage = Ist etwas anderes als unverbaubar
  • Viele Oberlichter = Wer soll die bloĂź sauber halten?
  • Voll vermietet = Nach dem Gesetz hat der Mieter meist eine nur dreimonatige KĂĽndigungsfrist
  • Von kompetenten Handwerkern gebaut = Wegen zahlreicher Subunternehmer GarantieansprĂĽche kaum realisierbar
  • Weiter Blick ins Land = Einöde bis zum Horizont Einöde
  • Wenige Autominuten von der City = Stadtrandlage ohne Bahn- oder Busanbindung
  • Wohnlich ausgebautes Souterrain = Ehemaliger Kohlenkeller
  • Zauberhaftes Jugendstilhaus = Von moderner Technik keine Spur
  • Zentrale Lage = Laut und schmutzig
  • Das ideale Superschnäppchen = Wozu Inserat? MĂĽsste doch unter der Hand weggehen

Quelle: Haus & Grund Deutschland, Zentralverband der Deutschen Haus-, Wohnungs- und GrundeigentĂĽmer e. V.

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